Vandana Shiva – Indien

Vandana Shiva – Indien

"Wenn man bei den Wegen von den Feldern zu den Tellern wieder dahin kommt, dass die gesunden Nahrungsmittel unserer Bauernhöfe auf den Tellern aller landen, dann käme dies wahrhaft einer Neuerfindung der Demokratie gleich, denn solange die Verbindung zwischen den Feldern und den Tellern gestört ist, wissen wir nicht, was wir essen."

Die Physikerin und Erkenntnistheoretikerin Vandana Shiva, die ein Diplom im Fach Wissenschaftsphilosophie vorweisen kann, ist eine wichtige Leitfigur für Umweltaktivisten und Vertreter der "altermondialistischen" Bewegung, die für eine andere Form der Globalisierung kämpfen. Insbesondere setzt sie sich für die Bewahrung einer bäuerlichen und biologischen Landwirtschaft ein, wird diese doch immer mehr durch die grenzenlose Expansionspolitik multinationaler Nahrungsmittelkonzerne und neuerdings auch durch die Perversionen der Gentechnik bedroht. Sie prangert die Patentierung von Lebewesen und die sogenannte Biopiraterie an, womit die Aneignung universeller natürlicher Ressourcen wie beispielsweise Saatgut durch weltweit operierende Agrar- und Pharmakonzerne gemeint ist.

Seit den 80er Jahren hat sich Vandana Shiva sehr aktiv für die Bewegung "Narmada Bachao Andolan" zur Rettung des Narmada-Flusses engagiert. Diese setzte sich gegen den Bau riesiger Staudämme zur Wehr, welche nicht nur die Ökosysteme entlang des Flusslaufs vernichtet hätten, sondern auch Millionen armer Bauern dazu gezwungen hätten, ihre angestammten Ländereien aufzugeben.

Vandana Shiva ist Gründerin des Vereins "Navdanya", der sich für die Bewahrung der Artenvielfalt und den Schutz der Rechte von Kleinbauern stark macht. Die Farm von Navdanya ist eine beispielhafte Saatgutbank, die es über 10.000 Bauern in Indien, Pakistan, Tibet, Nepal und Bangladesch ermöglicht, die "organische" Landwirtschaft, wie man sie in Indien versteht (also eine bäuerlich geprägte, weitgehend biologisch ausgerichtete Art der Landwirtschaft), neu zu entdecken.

Heute ist Vandana Shiva Mitglied des Exekutivkomitees des Weltzukunftsrates, der sich insbesondere mit der Zukunft der Ernährung und der Landwirtschaft befasst. Um ihrem Engagement auch publizistisch Nachdruck zu verleihen, hat sie zahlreiche Schriften veröffentlicht, darunter die auch in deutscher Sprache vorliegenden Werke "Geraubte Ernte – Biodiversität und Ernährungspolitik" oder "Biopiraterie – Kolonialismus des 21. Jahrhunderts". Das Problem der Wasserverknappung beschreibt sie besonders eindringlich in "Der Kampf um das blaue Gold. Ursachen und Folgen der Wasserverknappung". 2006 schließlich erschien  ihre Streitschrift "Erd-Demokratie – Alternativen zur neoliberalen Globalisierung".

Im Jahr 1993 wurde Vandana Shiva mit dem "Right Livelihood Award" ausgezeichnet, besser bekannt unter der Bezeichnung "Alternativer Nobelpreis".

www.vandanashiva.org
www.navdanya.org