Serge Latouche – Frankreich

Serge Latouche – Frankreich
"Wenn die ganze Menschheit so leben würde wie die Franzosen, dann bräuchte man dafür eigentlich drei Planeten. Und selbst wenn Frankreich sein extrem niedriges demographisches Wachstum von 2% beibehielte, so wären im Jahr 2050 sogar schon 30 Planeten nötig!"
Serge Latouche kann mehrere Hochschulabschlüsse vorweisen, darunter in den Fächern Politik- und Wirtschaftswissenschaften sowie in Philosophie. Er ist emeritierter Professor für Wirtschaftswissenschaften an der Universität Paris-Sud und gilt als ausgewiesener Fachmann für Fragen der wirtschaftlichen und kulturellen Beziehungen zwischen der nördlichen und der südlichen Hemisphäre.
Er gehört zu den ersten Autoren der Zeitschrift "La Revue du MAUSS" (Mouvement Anti-Utilitariste en Sciences Sociales = Antiutilitaristische Bewegung in den Sozialwissenschaften) und ist Leiter des Instituts für Armutsforschung GRAEEP (Groupe de Recherche en Anthropologie, Epistémologie et Economie de la Pauvreté).
Im Bereich der Humanwissenschaften hat er eine kritische Theorie gegenüber der orthodoxen Wirtschaftslehre entwickelt, die sich gegen den "Ökonomismus", den "Utilitarismus in den Sozialwissenschaften" und die herkömmliche Auffassung des Begriffs "Entwicklung" richtet. Insbesondere kritisiert er die Theorien der Effizienz und Rationalität ökonomischen Handelns.
Auch der Vorstellung von einer "nachhaltigen Entwicklung" steht Serge Latouche äußerst kritisch gegenüber: Dieser Begriff ist seines Erachtens nicht nur völlig inhaltsleer, vielmehr stellt er geradezu einen Schwindel dar. Für ihn gilt nämlich der Leitsatz: "Um zu überleben oder zu überdauern, muss erst eine Wachstumsrücknahme in Gang gesetzt werden".
Serge Latouche ist einer der profiliertesten Vertreter der Theorie der Wachstumsrücknahme. Den Weg, um sich über die Entwicklungsdoktrin hinwegzusetzen, denkt er sich als "einen organisierten und allerorts geführten Kampf gegen eine Lebensform, die auf globaler Ebene unerträglich geworden ist". Seiner Meinung nach sollte man sich besser an die informellen Entwicklungskritiker halten, wenn es um die Schaffung einer Wirtschaftsordnung geht, die eine echte Alternative zum "Liberalproduktivismus" darstellen könnte.
Unter den zahlreichen Schriften, die Serge Latouche veröffentlicht hat, sind in deutscher Sprache unter anderem erschienen: "Die Verwestlichung der Welt", "Für eine Gesellschaft der Wachstumsrücknahme" und "Die Unvernunft der ökonomischen Vernunft".

