Philippe Desbrosses – Frankreich

Philippe Desbrosses – Frankreich
"Man hat eine künstliche Landwirtschaft geschaffen, die gänzlich auf Erdöl basiert, einem fossilen Rohstoff, von dem man weiß, dass er nur begrenzt vorrätig ist und mittlerweile auch schon fast aufgebraucht ist."
Philippe Desbrosses, Agronom und promovierte Umweltwissenschaftler der Universität Paris-Diderot, ist Leiter des Pilotprojekts "Ferme de Sainte-Marthe" und Vorsitzender des Vereins "Intelligence Verte", der sich für den Erhalt der Biodiversität einsetzt.
In der "Ferme de Sainte-Marthe", dem früheren Bauernhof seiner Eltern und Großeltern im Gebiet der Sologne, hat er eine Samenbank für alte Nutzpflanzen und ein wegweisendes Ausbildungszentrum für biologische Landwirtschaft eingerichtet. Als Pionier des biologischen Landbaus in Frankreich war er seit 1973 an der Gründung zahlreicher Verbände im In- und Ausland beteiligt, die sich dieser Richtung verschrieben haben.
Schon seit 1978 ist Philippe Desbrosses Wortführer bei zahlreichen Verhandlungen mit den jeweils amtierenden französischen Regierungen, die im Ergebnis dazu führten, dass die biologische Landwirtschaft in Frankreich offiziell anerkannt wurde und entsprechende Zertifizierungen eingeführt wurden. Als Leiter der europäischen Delegation des Weltverbands für biologische Landwirtschaft (IFOAM) von 1985 bis 1990 hat er darüber hinaus den Vorsitz bei den Verhandlungen über die EU-Verordnung 2092/91 geführt, welche die Kennzeichnung von Bio-Produkten regelt.
Als Vorsitzender der Kommission zur Einführung eines Biosiegels beim französischen Landwirtschaftsministerium war er maßgeblich an dessen Einführung im Jahre 1983 beteiligt. Ebenfalls in Diensten des Landwirtschaftsministeriums leitete er ein Komitee, dessen Aufgabe darin bestand, ein Programm zur Förderung der biologischen Landwirtschaft in die Wege zu leiten, mit dem die Umweltvereinbarungen von Grenelle aus dem Jahre 2007 umgesetzt werden (diese sehen eine Verdreifachung der biologisch bewirtschafteten Agrarflächen innerhalb von fünf Jahren vor; außerdem soll der Anteil biologischer Produkte bei der Kantinenverpflegung bis 2012 auf 20% gesteigert werden). Als Berater des französischen Landwirtschaftsministeriums und des europäischen Parlaments war er an besagten Umweltvereinbarungen maßgeblich beteiligt.
Seit Anfang der 90er Jahre veranstaltet Philippe Desbrosses die "Gespräche von Millancay", regelmäßig stattfindende Konferenzen und Seminare zu den Themen Gesundheit, Ernährung und nachhaltige Entwicklungsstrategien. Im Übrigen ist er Vorstandsmitglied des von Corinne Lepage geleiteten Instituts CRIIGEN, einer Forschungseinrichtung, die mit kritischem Auge die Entwicklung der Gentechnik beobachtet und das Anliegen verfolgt, unabhängige Informationen darüber zu erhalten.
Philippe Desbrosses hat zahlreiche Schriften veröffentlicht, so beispielsweise "Le krach alimentaire", "Nous redeviendrons paysans" oder "Alimentation du futur", die jedoch bedauerlicherweise allesamt nicht in deutscher Sprache vorliegen.

