ABC der Landwirtschaft G-L
G
Gentechnisch veränderte Organismen
Der Begriff der gentechnisch veränderten (bzw. modifizierten) Organismen (GVO oder GMO) erstreckt sich auf Tiere oder Pflanzen, deren Erbgut mittels gentechnischer Erfindungen verändert wurde. Ein Organismus wird dann als "gentechnisch modifiziert" bezeichnet, wenn sein Erbgut auf künstliche Weise – und nicht durch einfaches Kreuzen oder natürliche Rekombination – verändert wurde. So kann einer Pflanze beispielsweise das Erbgut eines Fisches eingepflanzt werden, um ihre Widerstandsfähigkeit gegen Frost zu erhöhen. In der biologischen Landwirtschaft sind GVOs verboten.
Grüne Revolution
Mit dem Begriff "grüne Revolution " bezeichnet man den technischen Entwicklungssprung, der sich in der Landwirtschaft in der Zeit zwischen 1944 und 1970 vollzogen hat. Er geht mit einer politischen Strategie zur grundlegenden Umwandlung der Agrarproduktion in den Entwicklungsländern einher.
Ermöglicht wurde die grüne Revolution durch:
- die Züchtung neuer Hochleistungssorten, insbesondere bei Getreidepflanzen wie Weizen und Reis;
- die Verwendung von Mineraldüngern und Pflanzenschutzmitteln;
- die Mechanisierung der Bewässerungssysteme.
Um die Agrarpolitik der grünen Revolution durchzusetzen, haben die damals amtierenden Regierungen einer Vielzahl von Staaten beschlossen, die Landwirte bei der Übernahme der neuen Landwirtschaftsmethoden zu unterstützen. Anfänglich war der grünen Revolution auch tatsächlich ein enormer Erfolg beschieden, hat sie doch zu spektakulären Zuwachsraten in der Agrarproduktion geführt. Die Versorgungslage konnte mit dem Bevölkerungswachstum und dem steigenden Bedarf an Nahrungsmitteln Schritt halten, während die Preise für Lebensmittel stabil blieben.
Seit Beginn der 90er Jahre musste sich die internationale Staatengemeinschaft indes eingestehen, dass die Politik der grünen Revolution zahlreiche negative Auswirkungen zeitigte, und dies sowohl in wirtschaftlicher und sozialer Hinsicht als auch im Hinblick auf die Umweltproblematik. In Wahrheit hat die grüne Revolution nämlich häufig dazu geführt, dass sich soziale Gegensätze und regionale Konflikte verschärften; in manchen Ländern hat sie überdies in erheblichem Maße zur Beschleunigung der Landflucht beigetragen. Vor allem aber hat sie systematisch all jene Praktiken gefördert, die zur Degradierung der Böden und zur Beseitigung der Artenvielfalt führten.
Der Umstand, dass man sich dieser "Begleiterscheinungen" der grünen Revolution bewusst wurde, war schließlich einer der Hauptgründe für die Unterzeichnung der "Rio-Erklärung über Umwelt und Entwicklung", der sich 189 Staaten anschlossen. Ein wesentlicher Bestandteil dieser Erklärung war die "Biodiversitätskonvention", eine wichtige Grundlage für zahlreiche nationale Aktionspläne, die seither zur Bewahrung der Artenvielfalt in die Wege geleitet wurden.
Gülle
Die Gülle ist ein Gemisch, das hauptsächlich aus dem Kot und dem Urin landwirtschaftlicher Nutztiere sowie aus Wasser besteht. Das flüssige Element dominiert somit. In geringen Mengen kann auch Streu enthalten sein. Hauptsächlich wird die Gülle bei der Haltung von Schweinen, Rindern oder Geflügel gewonnen, die keine Streu zur Ausscheidung ihrer Exkremente verwenden (andernfalls produzieren sie Mist).
Die Gülle kann als organischer Dünger verwendet werden. Entgegen der landläufigen Meinung ist Gülle an sich nicht umweltschädlich, da die Vegetation in der Lage ist, die darin enthaltenen Nitrate rasch zu absorbieren. Durch das Ausbringen der Gülle wird der Stickstoffkreislauf in Gang gesetzt, ein Vorgang von existentieller Bedeutung, da Stickstoff ein unverzichtbares Element für das Pflanzenwachstum ist.
Umweltverschmutzungen können lediglich durch ein übermäßiges Aufbringen von Gülle und starke Regenfälle unmittelbar nach dem Aufbringen bedingt sein, da in solch einem Fall die Pflanzen nicht mehr in der Lage sind, die Nitrate aufzunehmen. Folglich werden diese in die natürlichen Wasserläufe und ins Grundwasser gespült, was zu einer übermäßigen Anreicherung der Gewässer mit Nährstoffen führen kann. Das Ergebnis ist dann oft eine massenhafte Vermehrung von Algen, für die sich die Bezeichnungen "Algenblüte" oder "Wasserblüte" eingebürgert haben.
H
Herbizide
Herbizide sind Pflanzenschutzmittel, die ausschließlich zu dem Zweck entwickelt wurden, Unkrautgewächse abzutöten oder ihr Wachstum einzudämmen. In der biologischen Landwirtschaft werden zahlreiche natürliche Alternativen zu den Herbiziden angeboten.
Humus
Organisches Substrat, das durch die Zersetzung pflanzlicher und tierischer Stoffe entsteht. Der Humus versorgt die Böden mit Nährstoffen und trägt zur Verbesserung ihrer Konsistenz bei. In der biologischen Landwirtschaft ist der Humus eines der wichtigsten Mittel, um die Bodenfruchtbarkeit zu erhöhen.
Hybridsaatgut
Als F1-Hybride bezeichnet man – sei es in der Pflanzen- oder in der Tierzucht – die erste Generation von Nachkommen, die aus einer Kreuzung zwischen zwei verschiedenen Arten oder genetischen Linien hervorgegangen sind.
Der potentielle Ertrag von Hybridsorten wird gemeinhin höher eingestuft als derjenige von alten, unverfälschten Sorten, jedoch unterliegt er zahlreichen Einschränkungen, die entweder klimatisch oder durch die landwirtschaftliche Praxis bedingt sein können. Insbesondere erfordern die Hybridsorten ein hohes Maß an Zusatzmitteln wie Dünger, Pestizide, Wasser usw. Dennoch besteht beispielsweise in Frankreich der größte Teil des gegenwärtig zum Verkauf zugelassenen Saatguts für Nutzpflanzen wie Mais, Sonnenblumen und bestimmte Gemüsesorten aus F1-Hybriden.
Ein weiterer Nachteil des Hybridsaatguts liegt darin, dass es die Landwirte dazu zwingt, Jahr für Jahr Samen nachzukaufen: Sie können also nicht mehr einen Teil ihrer Ernte als Saatgut für das jeweils folgende Jahr aufbewahren. Darüber hinaus führt die allgemeine Verbreitung von Hybriden in Verbindung mit der Aufoktroyierung eines Katalogs zugelassener Samen dazu, dass der Handel auf diesem Gebiet alles andere als frei ist und die Bauern zunehmend in die Abhängigkeit großer Saatguthersteller geraten.
K
Kompostierung
Komposterde ist das Ergebnis der natürlichen Zersetzung und der Feuchtigkeitsaufnahme eines Gemischs organischer Materialien, das hauptsächlich aus Grünschnitt, Küchenabfällen, Papier, Mist u.ä. besteht. In Gang gebracht wird dieser "Vermoderungsprozess" durch Mikro- oder Makroorganismen wie zum Beispiel Insekten, Regenwürmer oder Pilze.
Komposterde ist reich an Nährstoffen und kann als Dünger benutzt werden. Durch ihre Verwendung wird die Konsistenz der Anbauflächen verbessert, da diese hierdurch mit organischen Stoffen versorgt werden. Gleichzeitig werden den Böden Nährstoffe wie etwa Stickstoff zugeführt, und nicht zuletzt wird durch den Kompost auch die Artenvielfalt in der Bodenfauna gefördert.
Komposterde ist nicht mit Mist gleichzusetzen: Während letzterer aus organischen Stoffen besteht, die zur Düngung verwendet werden, ist Komposterde das Produkt eines kontrollierten Zersetzungsprozesses organischer Stoffe (zu denen unter Umständen auch Mist gehören kann).
L
Landwirtschaftsgemeinschaftshof
Ziel und Zweck von Landwirtschaftsgemeinschaftshöfen ist es, eine bäuerliche, biologisch ausgerichtete Produktion zu fördern und solche Landwirte zu unterstützen, die sich schwer tun, gegenüber der industriellen Landwirtschaft mit ihren weitverzweigten Vertriebsnetzen zu bestehen.
In gewisser Weise handelt es sich um Zusammenschlüsse zwischen Gruppen von Verbrauchern und Partnerlandwirten. Im Rahmen dieses Modells werden die Verbraucher Woche für Woche mit "Kisten" beliefert, welche die Erzeugnisse des jeweiligen Betriebs enthalten. Ihrerseits sagen die Verbraucher dem Landwirt zu, ihm für einen bestimmten Zeitraum seine Erzeugnisse abzunehmen, wodurch dieser mit regelmäßigen Einkünften rechnen kann, die ihm den Fortbestand seines Betriebs sichern.
Für den Verbraucher besteht der Vorteil solcher Landwirtschaftsgemeinschaftshöfe insbesondere darin, dass er sich dessen sicher sein kann, zu angemessenen Preisen frische, zumeist biologisch angebaute Früchte der Saison zu erhalten, bei denen es sich oft um alte Sorten handelt. Zudem werden die lokale Produktion und erzeugernahe Vertriebswege gefördert.
Während dieses Kooperationskonzept in angelsächsischen Ländern unter der Bezeichnung CSA ("Community-supported Agriculture") und in Frankreich unter dem Kürzel AMAP ("Association pour le maintien de l'agriculture paysanne") recht weit verbreitet ist, begegnet man ihm in Deutschland vorwiegend in der vereinfachten Form von Gemüse-Abo-Kisten bestimmter Öko-Bauernhöfe.

