Devinder Sharma – Indien

Devinder Sharma – Indien
"Ich bin voller Hoffnung. In der Gesellschaft regt sich allmählich das Gewissen. Immer mehr Menschen entwickeln ein Bewusstsein für die wahren Probleme, und ich glaube, dass darin die Lösung liegt."
Devinder Sharma ist Agraringenieur. Darüber hinaus betätigt er sich als Journalist und Schriftsteller, wobei er sich als kluger Analytiker der Ernährungs- und Handelspolitik erweist. Als ausgewiesener Fachmann für Fragen der Nahrungsversorgung entlarvt er stets aufs Neue die Mythen der industriellen Landwirtschaft.
Er beklagt, dass das gegenwärtige System der Landwirtschaft, in großem Umfang betrieben, die Bauern dazu zwingt, ihre Felder aufzugeben, um sie der Industrie zu überlassen. Ihnen bleibt dann nichts anderes übrig, als ihr Heil in den großen indischen Metropolen zu suchen. Devinder Sharma prangert ferner die Unausgewogenheit eines Systems an, wie es von der Welthandelsorganisation WTO gefördert wird: Diese fordert auf der einen Seite die Öffnung der Märkte, während sie auf der anderen Seite einer subventionierten Landwirtschaft das Wort spricht, die es immerhin fertig bringt, für eine einzige europäische Kuh Fördergelder bereitzustellen, die das Einkommen eines indischen Kleinbauern um das Dreifache übersteigen.
Auch lehnt sich Devinder Sharma gegen die Förderung nachwachsender Brennstoffe in Indien auf, wofür überwiegend brachliegendes Ackerland genutzt wird. Er weist nämlich darauf hin, dass gerade die Brachen für die Selbstständigkeit der Bauern unerlässlich sind.
Seine Untersuchungen führen Devinder Sharma zu dem Ergebnis, dass uns massenhafte Migrationsbewegungen ins Haus stehen, wobei er allein für Indien eine Zahl von 400 Mio. Landwirtschaftsflüchtlingen prognostiziert. Er sieht voraus, dass sich die 23% der Weltbevölkerung, die heute noch über 76% der Böden verfügen, bis zum Jahr 2020 auf 2% verringert haben werden. 600 Mio. Bauern werden dann weltweit verschwunden sein. Als Beispiel für diese Entwicklung führt er die USA an, wo von den 27 Mio. Landwirten, die es dort zu Beginn des 20. Jahrhunderts noch gab, heute gerade einmal 700.000 übrig geblieben sind.
Hoch angesehen und mehrfach mit Auszeichnungen bedacht, ist Devinder Sharma für verschiedene internationale Organisationen tätig. Unter anderem ist er Gründungsmitglied der "Chakriyer Vikas Foundation" und Vorstandsmitglied der "Asia Rice Foundation". In Neu-Delhi steht er an der Spitze eines unabhängigen Kollektivs namens "Forum for Biotechnology & Food Security".
In jüngerer Zeit hat er drei Schriften veröffentlicht, darunter "GATT and India: The Politics of Agriculture", "GATT to WTO: Seeds of Despair" und "In the Famine Trap". Er organisiert zahlreiche Konferenzen und Lehrgänge zum Thema "Nachhaltige Landwirtschaft", die sich an ein sehr gemischtes Publikum sowohl in Indien als auch außerhalb Indiens wenden.

